Typografie - Grundkurs Teil 1

„Wer meint, er verstehe etwas von Schrift, weil er ja lesen könne, irrt sich gar sehr.“ Mit diesem Zitat von Jan Tschichold, ein sehr bedeutender Vertreter der Neuen Typografie, will ich meine neue Blog-Reihe eröffnen. Und mich gleichzeitig verneigen vor einem altehrwürdigen Handwerk, das sich seinen Weg von Gutenberg über moderne Druckverfahren bis hin in das digitale Zeitalter gebahnt hat. In dieser sechsteiligen Reihe wühlen wir uns Stück für Stück durch den Dschungel von Type, Font und Co., erklären euch die best practices für den Online-Bereich und schwelgen gelegentlich in den guten alten und tiefschwarzen Buchdruckzeiten. Und da ich natürlich auch nicht die Weisheit für mich gepachtet habe, bitte ich euch um Nachsicht, weil, das werdet ihr noch merken, Themen und Inhalte der Typografie teilweise sehr vielschichtig sind und selbst unter Profis kontrovers diskutiert werden. Und damit wären wir gleich beim ersten Problem. Was ist Typografie? Und wie lautet die genaue Definition?

Was ist Typografie? 

Typografie meint die Lehre und Anwendung der Schrift. Ja und nein. Typografie meint aber auch die technische Erstellung von Text mit vorgefertigten Zeichenvorlagen. Diese Zeichenvorlagen nennt der Profi Type oder Typen (Mehrzahl). Wichtig ist es hierbei, den historischen Hintergrund zu betrachten. Typen waren, und sind immer noch, Zeichenvorlagen, die zur visuellen Erstellung von Texten (Zeitungen, Bücher usw.) immer wieder verwendet wurden und werden. Viele kennen vielleicht noch aus der Kindheit den berühmten Setzkasten, der vor der Zweckentfremdung als Wanddeko als Aufbewahrung für Bleilettern diente. Neben den Bleilettern zählen auch Fotosatz-Schriften, eine technische Weiterentwicklung der Satzherstellung, sowie moderne digitale Fonts zu den Zeichenvorlagen. Was genau ein Font ist, erkläre ich später, gemeint ist aber im Grunde eine vom Schriftgestalter kreierte Vorlage. Apropos Schriftgestalter. Ein Schriftgestalter ist kein Typograf, auch wenn der Begriff Typografie auf die künstlerische Gestaltung einer Fläche mit Schriftzeichen (z. B. Flyer) ausgedehnt wird. Ein Schriftgestalter entwirft Schriften, ein Typograf arbeitet mit ihnen. Lange und Spiekermann, zwei bedeutende Köpfe der Typografie, beschreiben die Typografie als „Die Inszenierung einer Botschaft in der Fläche“. Aber auch diese Definition ist nicht der Weisheit letzter Rat, wirft sie doch nur noch mehr Fragen auf. Gilt dann auch ein iPad als Fläche? Sind wir am Ende etwa alle Typografen? Doch bevor die Diskussion dann doch ins unendlich führt, hier findet ihr ein paar weiterführende Gedanken zum Thema Typografie.

Nachdem wir nun den Versuch unternommen haben, den Begriff Typografie in einen Setzkasten zu quetschen, wollen wir als Auftakt für diesen Beitrag die Grundbegriffe Serifenschrift und Groteskschrift genauer betrachten.

Serife und Groteske

Die Serifenschrift ist einer der ältesten Schriftformen und führt uns zurück in die Zeit des alten Roms. Hier finden sich viele Beispiele von gemeißelten Inschriften in lateinischen Buchstaben, die wir dann später in unsere Sprache übertrugen. Vor der eigentlichen Arbeit des Steinmetzes brachte ein Kalligraf mithilfe eines Pinsels die gewünschten Buchstaben auf. Jedoch ergab sich dabei ein Problem. Die Stammenden der Buchstaben ergaben keine vollendete Form, also setze der Kalligraf zu einem abschließenden Strich an. Die bekannteste und älteste Serifenschrift ist die Antiqua, die beliebteste wohl die Times. Die Serifen werden auch als Füßchen bezeichnet und unterlagen im kreativen Prozess der Jahrhunderte immer wieder Veränderungen, aus denen viele neue Klassifizierungen der Serifenschrift entstanden. Die Endstriche der Serifenschrift ergeben eine einheitliche horizontale Linie, an der sich das Auge des Lesers perfekt orientieren kann. Daher eignet sich die Serifenschrift für Fließtexte in Büchern oder Zeitungen. Im Online-Bereich sollten Serifen nur mäßig Verwendung finden z. B. für Überschriften oder den Transport von emotionalen Informationen. Das hat einen einfachen Grund. Oft ist die Serife durch die niedrige Bildauflösung nicht mehr klar erkennbar und behindert das Lesen eher. Viele Online-Magazine oder Webseiten mit viel Text verzichten daher ganz oder teilweise auf Serifen und greifen zur Sans Serif, den Groteskschriften. Groteske zeichnen sich durch eine optisch lineare Strichstärke sowie den Verzicht von Serifen aus. Die Schriften Helvetica, Arial, Futura und natürlich Lato zählen im Web zu den beliebtesten, bieten sie doch auch bei kleinen Schriftgrößen beste Lesbarkeit. Die Groteskschrift stammt aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts und erfreute sich vor allem in der damaligen plakativen Werbung größter Beliebtheit. Heute ist das Angebot an Groteskschriften unüberschaubar, allein die Helvetica besitzt über 40 verschiedene Versionen.

Was bedeutet das für Betreiber von Webseiten? Wir können aus dem vollen Schöpfen und uns die Schrift aussuchen, die dem Charakter unserer Dienstleistung oder unseres Produktes entspricht, vielleicht auch unserem persönlichen Geschmack, können über die Schrift Informationen hinausschreien, Gefühle implizieren oder Nuancen anklingen lassen. Allerdings ist die Schrift ein Gestaltungsmittel, bei dem wir immer einen Kompromiss zwischen Aufmerksamkeit und Nutzer-Freundlichkeit eingehen müssen, zwischen künstlerisch individuell und tragfähig. Und somit möchte ich heute mit folgendem Zitat schließen: „Gute Typografie erklärt den Inhalt. Nicht den Gestalter.“ Kurt Weidmann

Im nächsten Teil geht’s um die Begriff Grundschrift und Displayfont. Außerdem dringen wir mit der Metrik der verschieden Schriftarten noch tiefer in den undurchsichtigen Dschungel der Typografie ein.

Zitate entnommen bei www.typografie.info

Daniel Knoflicek ist seit 2012 Geschäftsführer von Slidebird Webstories, einer Agentur für online Marketing, Webdesign und Webentwicklung. Des Weiteren hat Daniel Knoflicek das Start Up Ernst M. gegründet, welches vegane, bio Marmelade in Österreich herstellet und vertreibt. Er ist als CTO für das Start Up tätig. Seit 2015 und der Gründung von DESK.WORKS ist Daniel Knoflicek als Brand Ambassador für Österreich zuständig.

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