Usability-Gesetze

Usability-Gesetze

Zuerst die gute Nachricht, niemand der die Usability-Gesetze bricht muss ins Gefängnis. Die schlechte Nachricht, reich wird man davon auch nicht 😉

Natürlich haben Usability-Experten in den vergangenen Jahren ein Verständnis dafür bekommen was funktioniert und was nicht. Und tatsächlich, gibt es für Experten nur noch selten echte Überraschungen. Da die meisten qualitativen Tests aufgrund der kleinen Fallzahlen statistisch immer angreifbar bleiben, variiert eventuell die Ausprägung eines Tests stärker als vermutet, doch die Tendenz ist vorhersehbar.

Obwohl nun bestimmt der ein oder andere Usability-Experte aufschreien wird, da Verallgemeinerungen ja so unwissenschaftlich sind, gibt es doch zumindest  5 Grundprinzipien, die es lohnt genauer zu betrachten.

1. Einfachheit siegt immer

Amazon ist nicht schön, aber reich! Zielgruppen übergreifend gibt es ein wiederkehrendes Handlungsmuster in Webshops: die gezielte Suche nach konkreten Inhalten. In vielen Fällen weiß der Nutzer bereits noch vor Anschalten des Rechners, wonach er sucht und wie er dazu vorgehen wird. In solchen Szenarien wird die User Experience klar von der Performance dominiert und nicht von emotionalen Faktoren wie dem Design. In derartigen Fällen ist es sinnvoll, klar formulierte Navigationstexte zu definieren.  Kaufen, Bestellen, Buchen und Reservieren sind klar transaktionsorientierte Hinweise. Es darf sich auch jeder Shop-Betreiber die Frage stellen, ob er überhaupt einen Warenkorb benötigt oder seine Kunden nicht gleich zur Kasse bitten möchte.

Einfachheit hat zwei wichtige Säulen. Wie eben erwähnt, sind die Texte ein wichtiger Baustein für navigatorische Transparenz. Wenn Sie zum Beispiel eine Produktbeschreibung als PDF anbieten, bietet sich der Linktext “PDF/Produktbeschreibung anzeigen” mehr an als wie oft üblich “PDF/Produktbeschreibung downloaden”.

Letzteres impliziert einen technischen Vorgang, welcher unnötige Fragen hervorrufen kann. Die zweite Säule nennt sich Layout, die ein oder anderen werden diesen Begriff schon mal gehört haben. “Wo geht`s weiter?”, ist die vermutlich wichtigste Frage im transaktionsbasierten Szenario, welche sich der Nutzer zu stellen hat. Treiben Sie den Nutzer aktiv zum Standardszenario, in dem sie Seitenelemente und Links verständlich kennzeichnen.

2. Das Gesetz der Nähe

Das Prinzip ist simpel und doch selten gut umgesetzt. Die Reaktion des Systems auf den Nutzer sollte immer so erfolgen, dass der Nutzer sie deutlich wahrnimmt. Ist eine weitere Handlung des Nutzers – etwa die Korrektur einer Fehleingabe – nötig, muss er das sofort erkennen. Wer kennt es nicht, man füllt eine halbe Ewigkeit ein Formular aus, klick auf Absenden und was passiert? Dieselbe Seite erscheint wieder. Nach ungefähr 3 Minuten auf und ab scrollen findet man den Fehler. Geburtsdatum hat das falsche Format. So etwas kann schnell zur Frustration des Nutzers führen und somit zum Abbruch der Transaktion.

3. Kopieren statt verlieren

Zugegeben eine leicht provokante These. Aber gerade für kleine Webshop-Betreiber ist es schwer, qualitative Usability-Tests durchzuführen. Diese sind meistens zeit- und kostenintensiv. Also warum nicht von dem Wissen der großen Shop-Betreiber profitieren?! Hier nun einige Erkenntnisse aufgelistet:

  • Das Logo sitzt links oben und wird auf die Homepage verlinkt.
  • Die Suchmaske sollte möglichst zentral sein und nicht in der Nähe andere Formularelemente platziert werden.
  • Rubriküberschriften sind verlinkt, nicht nur die Themenlinks darunter.
  • Bilder sind immer verlinkt (es gehört zwar nicht zum Überbegriff Usability, aber aus SEO Gründen Bilder auch immer mit einem alt-attribut versehen).
  • Servicefunktionen und Member Area stehen rechts oder rechts oben.
  • Firmenhintergrund, Impressum sowie Kontakt gehören auf jeden Fall in den Fuß der Seite, eventuell auch noch nach rechts oben.
  • Unterstreichungen markieren fast immer Hyperlinks, sind im Fließtext also verboten.

4. Redundanz schadet nicht

Spannende Angebote dürfen, ja müssen sogar über mehrere Wege erreichbar sein. Die einen navigieren über Ihr Rubriksystem, die anderen über die interne Suche oder über die Homepage-Teaser. Aber Vorsicht: Verwirren Sie den Nutzer nicht, indem Sie unterschiedliche Begriffe für die gleichen Funktionen verwenden.

5. Gravierende Fehler haben Priorität

In der ersten Runde ihrer Usability-Optimierung sollten Sie sich ausschließlich dem Kernziel Ihres Webshops widmen. Die gravierendsten Fehler für einen Webshop sind:

  • Er wird nicht gefunden (Google, URL).
  • Die AdWords-Anzeigen oder Teaser erzeugen keinen Klickreiz.
  • Die Landing Page (dieser wichtige Begriff wird in einer meiner nächsten Artikel genauer unter die Lupe genommen) liefert kein hinreichendes Kaufargument.
  • Die Landing Page zeigt nicht, wie es weiter geht und suggeriert nicht genug Vertrauen.
  • Versandkosten sind zu hoch oder nicht transparent genug.
  • Der Prozess des Kaufabschlusses offenbart Mängel hinsichtlich Glaubwürdigkeit und Sicherheit.

Schreibe einen Kommentar