Typografie Grundkurs Teil 2

Schönheit liegt im Auge des Betrachters – oder in der Geometrie von Buchstaben

Nachdem wir uns im ersten Teil unseres Grundkurses Typografie unter anderem mit der Entwicklung von Grotesk- und Serifenschrift beschäftigt haben, soll uns der zweite Teil in die Welt der Schriftmetrik und Displayfonts entführen. Doch zuvor noch ein kleiner Einschub mit einem Fachbegriff, den wir noch grundlegend klären wollen bevor es dann weitergeht.Oft bewirkt der Begriff Grundschrift Kopfzerbrechen, dabei ist es ganz einfach: Grundschrift – im Bleisatz auch als Werk- oder Brotschrift bezeichnet – ist der Schriftstil, der größtenteils durchgängig in einem Mengentext verwendet wird. Eine Grundschrift besitzt verschiedene Auszeichnungen, um Zitate, Überschriften oder wichtige Passagen zu kennzeichnen: z. B. roman (normal), italic (kursiv)bold (fett) und bold Italic (fett kursiv). Hat man sich für eine Grundschrift entschieden, sollte diese auch beibehalten werden. Vor allem im Online-Bereich ist es wichtig, durchgängig klare, einladende und leserfreundliche Schriften einzusetzen. Kitsch ist zwar als Stilmittel erlaubt, sollte aber auch eben nur dieses sein und bleiben. Grundsätzlich gilt, nicht mehr als zwei bis drei verschiedene Schriftarten als Grundschrift zu verwenden, sonst verschwindet die Information hinter einer überdrehten und unübersichtlichen Typografie.Display-Fonts – plakative Zeichen in der TypografieUnd schon sind wir beim heutigen Thema angelangt, in dem Stilmittel und grafische Gestaltung durch Schrift eine große Rolle spielen: die Display-Fonts. Aber erst mal zur Begriffserklärung. Fonts sind eine zur Wiederverwendung entwickelte Menge an Buchstaben oder Zeichen. Diese Bezeichnung schließt heutzutage auch die digitalen Formen von Schriften ein, da ja auch Fontdateien Schriften sind, die beliebig oft wiederverwendet werden können. Ein Display-Font ist entgegen allen Vorstellungen aber kein digitaler Font, der nur auf dem Display – also einem Bildschirm – glänzt. Vielmehr ist der Begriff Display-Font ein Opfer der ungenauen Übersetzung vom Englischen ins Deutsche. Der Begriff rührt vom englischen Verb „to display“ – etwas anzeigen, zur Schau stellen – her. Display-Fonts sind Schriften, die eher einen plakativen oder dekorativen Charakter haben. Daher werden diese auch erst in Schriftgraden ab 14 Punkt gestaltet und kommen in der analogen Welt auf Plakaten, Verkehrs- oder Werbeschildern vor.

An den Beispielen wird vor allem der gestalterische Charakter der Display-Fonts sehr gut sichtbar. Teilweise kommen die Fonts verschnörkelt, teilweise in fast schon abstrakter, unleserlicher Form daher. Diese Schriften eignen sich natürlich nicht für den Mengensatz im Buch bzw. den Mengentext im Web. Vor allem im Bereich jenseits der analogen Druckkunst – im Internet – stellen die Display-Fonts uns vor ein technisches Problem. Display-Fonts sind nicht einfach eins zu eins auf die digitale Ebene übertragbar. Aber keine Sorge! Viele kreative Bastler, aber auch große Online-Konzerne stellen sogenannte Web-Fonts oder Screen-Fonts zur Verfügung. Die meisten Web-Fonts sind kostenlos und erlösen uns von langweiligen Schriften. Doch auch hier ist weniger mehr. Wer unsicher im Gebrauch von Web-Fonts ist, greift lieber auf die Fonts von Herstellern wie Monotype oder Adobe zurück.

Metriken in der Typografie – die geometrische Beschreibung von Schriften und Zeichen

Ein weiteres Thema, das uns heute beschäftigt, sind die Metriken der Schrift. Metrik meint im Allgemeinen die Lehre der Maße. Sie hilft uns in der Typografie, die Höhe und Tiefe von Schriften klar einzuteilen. Man bezeichnet sie auch als Buchstabenkonstruktion. Dazu ordnen wir Groß- und Kleinbuchstaben in ein Liniensystem ein. Diese Übersicht bietet dazu einen perfekten Überblick…

Die Grundlinie beschreibt die Linie, auf der die Buchstaben stehen. Die Versalhöhe stellt die Höhe der Großbuchstaben dar. Manche Kleinbuchstaben besitzen eine Oberlänge, reichen also über die Mittellänge hinaus. Andere Buchstaben, wie das kleine p oder g, verfügen über eine Unterlänge. Der Abstand zwischen den einzelnen Buchstaben nennt der Typograf Laufweite. Die Dickte dagegen beschreibt die Breite eines Buchstaben inklusive Vor- und Nachbreite. Doch bevor wir uns jetzt wieder in den Tiefen der Typografie verlieren, beenden wir den heutigen Beitrag wieder mit einem passenden, aber bitte nicht ganz ernst zu nehmenden Zitat von Günter Gerhard Lange: „Einen Bleiletter in den Händen zu halten und deren Punzen zu fühlen – das wäre eine Therapie für euch tastaturgläubigen Bildschirmglotzer.“

Im nächsten Teil klären wir euch natürlich darüber auf, was Punzen sind und was die Anatomie der Schrift sonst noch so für Geheimnisse bereithält.

 

Daniel Knoflicek ist seit 2012 Geschäftsführer von Slidebird Webstories, einer Agentur für online Marketing, Webdesign und Webentwicklung. Des Weiteren hat Daniel Knoflicek das Start Up Ernst M. gegründet, welches vegane, bio Marmelade in Österreich herstellet und vertreibt. Er ist als CTO für das Start Up tätig. Seit 2015 und der Gründung von DESK.WORKS ist Daniel Knoflicek als Brand Ambassador für Österreich zuständig.

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